
Stellen Sie sich den Moment vor, in dem ein frisches ifupdown2-Paket auf ein laufendes System mit Bonds trifft: Der erste Reload entscheidet, ob der Cluster durchstartet oder ausfällt. Genau solche Informationen erhält man auf der Entwickler-Mailingliste von Proxmox VE. Wir verfolgen das Archiv der pve-devel-Liste laufend und ordnen monatlich ein, welche Erweiterungen und Änderungen in welchen Patch-Serien kommen und für den Betrieb Ihrer Cluster relevant werden.
Der Oktober in Zahlen
- E-Mails
- 1.342
- Threads
- 1.223
- Patch-Serien
- 107
- Zuwachs ggü. September
- +52 %
Gegenüber dem September mit 883 E-Mails, 799 Threads und 73 Serien stiegen die Zahlen um 52, 53 und 47 Prozent. Damit war der Oktober der aktivste Monat seit Beginn unserer Auswertung.
Manche Patches landen schon innerhalb von Tagen in den Proxmox VE Repositories, andere erst nach Monaten zu einem späteren Release. Was Ihr apt bereits anbietet, folgt der Liste deshalb stellenweise mit Verzögerung.
Notification-Matcher kombinieren Bedingungen künftig verschachtelt
Eine der größten Serien des Monats betrifft das Notification-System: In der fünften Version umfasst sie bis zu 42 Patches. Sie führt eine neue Expression-Syntax für Notification-Matcher ein, die verschachtelte Bedingungen erlaubt. Bestehende Legacy-Matcher bleiben hinter einem Feature-Flag nutzbar, und eine Migration konvertiert vorhandene Matcher automatisch. Die Serie erstreckt sich über proxmox-notify, proxmox-perl-rs, pve-manager, Proxmox Backup und das widget-toolkit.
Für Sie heißt das: Alert-Regeln lassen sich künftig präziser kombinieren, etwa wenn eine Benachrichtigung nur bei einem Fehlertyp in einer bestimmten Gruppe von Guests ausgelöst werden soll. Wer die Meldungen an ein Monitoring wie Checkmk weiterleitet, steuert die Kanäle feiner, ohne mehrere Matcher nebeneinander pflegen zu müssen. Thread zur Notification-Serie (v5, 42 Patches)
Doppelte Guest-IDs blockiert der Cluster künftig selbst
Eine Serie mit 22 Patches (Version 6 bis 8) erlaubt es, vergebene VM- und CT-IDs zu tracken und bei der Vergabe neuer IDs zu blockieren. Optional lässt sich ein Bereich erzwingen. Die IDs liegen im Proxmox Cluster Filesystem (pmxcfs) und werden beim Löschen eines Gastes wieder freigegeben. Bei der Anlage des nächsten Gastes wurde bisher wieder die erste freie ID ab 100 vergeben.
In großen Umgebungen mit automatisierter Provisionierung verhindert die neue Option doppelte IDs, bevor sie im Cluster für Verwirrung sorgen. Das vereinfacht das Lifecycle-Management, weil eine einmal vergebene ID nicht unbemerkt wieder auftaucht, wenn VMs und Container automatisiert angelegt und wieder entfernt werden. Thread zur Guest-ID-Serie (v8, 22 Patches)
OVN, eBPF-DHCP und Microsegmentation machen SDN deklarativer
Das zweite große Thema ist Software-defined Networking. Fünf Serien treiben es voran:
- OVN-Zone- und Controller-Plugins (RFC, 16 Patches): ein neues SDN-Backend auf OVN-Basis, inklusive Port Security und SSL.
- DHCP für alle Zonen über eBPF (Version 4, 20 Patches).
- Microsegmentation (Version 3, 45 Patches): feingranulare ACLs zwischen Guests.
- IPv6 RA/SLAAC für EVPN-Zonen (Version 5, 9 Patches).
- VRF-Support (15 Patches).
Mit 45 Patches ist die Microsegmentation-Serie eine der umfangreichsten des gesamten Monats. OVN als neues Backend und die Microsegmentation zeigen, wohin die Entwicklung geht: Netzwerkdesigns in Proxmox VE werden deklarativer. Zonen, ACLs und Adressvergabe lassen sich dann zentral definieren, statt jeden Host von Hand zu konfigurieren.
Meiner persönlichen Meinung nach hat Proxmox hier eine technisch sehr schöne Lösung implementiert, die DHCP unabhängig vom Typ der SDN Zone erlaubt und die Abhängigkeit von externen Paketen reduziert, da dnsmasq künftig nicht mehr benötigt wird für die Versorgung einer Zone mit DHCP. Thread zur Microsegmentation-Serie (v3, 45 Patches)
Hotplug-Tests und EFI-Firmware betreffen laufende VMs
Zum ersten Mal gibt es eine systematische Test-Infrastruktur für Hotplug-Operationen (Version 4, 9 Patches). Dabei sind gleich mehrere Bugs aufgefallen: SCSI-Host-Nummern ab 14 schlagen fehl, und beim fehlerhaften Hinzufügen eines Drives wird der iothread nicht wieder entfernt. Auch das Hot-Unplug eines Tablets auf aarch64 ist defekt, und Fehlermeldungen nennen nicht immer den Bridge-Namen.
Parallel wächst eine Serie für benutzerdefinierte EFI-Firmware (Version 3, 19 Patches) mit eigenen UEFI-Images für VMs und einem neuen Content-Typ „efi-firmware“ in der Storage-API. Wer Disks, USB oder Netzwerke im laufenden Betrieb an VMs hängt, profitiert direkt von den Fixes. Die EFI-Serie brauchen Sie, wenn Sie eigene Firmware-Images mitbringen müssen, etwa für Secure Boot in gehärteten Umgebungen. Thread zu den Hotplug-Tests (9 Patches)
Sechs Serien greifen direkt in laufende Cluster ein
Daneben lief eine Reihe von Serien, die bestehende Umgebungen im Betrieb betreffen:
- ifupdown2: Bond-MAC-Inheritance-Fix (#8130) und Bond-Slave-Verfügbarkeits-Fix (#8117) verhindern Ausfälle beim ersten Reload nach der Installation.
- HA-Manager: Ein Fix für das Auto-Rebalance stoppt Retry-Loops und Oszillation (14 Patches).
- Ceph: cephx-Key-Rotation bei stale Keys, EC-Pools aus einem bestehenden Profil, mehrere Ceph-Netzwerke und Keyring-Mode 0600.
- ACME: lifetime-basierte Zertifikats-Erneuerung mit konfigurierbarem Zeitfenster, DNS-Domain-Alias und External Account Binding.
- Kernel: Hyper-V VMBus wiederhergestellt, bnxt-Regression in 7.0.14-20 und neueren Paketen gepickt, Reboot-Pending-Flag nach Kernel-Update.
- Sonstiges: QEMU 11.1.2 Stable-Fixes, pvpanic-Gerät, Change-Notification-Socket in pmxcfs (12 Patches), MMC-Support, Bond-Setup in den Installer-Varianten, WebRTC-Console (RFC) und vCPU-Binding.
Sehen Sie sich die beiden ifupdown2-Fixes an, wenn Ihr Cluster Bonds nutzt: Sie verhindern Ausfälle genau dann, wenn ein frisches ifupdown2-Paket auf ein laufendes System trifft. Beim Kernel lohnt ein Blick auf die bnxt-Regression, falls NICs mit dem bnxt-Treiber laufen. Thread zum Bond-MAC-Inheritance-Fix #8130
Was Admins jetzt tun sollten
Vier Entwicklungen verdienen aus unserer Sicht besondere Aufmerksamkeit:
- Prüfen Sie beim nächsten Update die ifupdown2-Bondfixes, wenn Ihr Cluster Bonds nutzt.
- Verfolgen Sie den Stand der SDN-RFCs zu OVN und Microsegmentation, wenn Sie Netzwerkdesigns in Proxmox VE vereinfachen wollen.
- Testen Sie die neuen Notification-Expressions, wenn Sie Benachrichtigungen in ein bestehendes Monitoring integrieren.
- Aktivieren Sie das Guest-ID-Tracking, sobald VMs und Container bei Ihnen automatisiert angelegt und entfernt werden.
Seit 2009 setzen wir bei inett Proxmox VE ein und begleiten Kundschaft vom einzelnen Cluster bis zur kompletten Infrastruktur. Wenn Sie eine der Serien in Ihrer Umgebung einschätzen oder Unterstützung bei der Planung brauchen, sprechen Sie uns an.
Dieser Beitrag ist Teil unserer monatlichen Auswertung der pve-devel-Liste. Erhalten Sie die Rückblicke künftig direkt:
Quellen und Abrufdatum
- Liste: pve-devel-Archiv auf lore.proxmox.com (public inbox for pve-devel@lists.proxmox.com), abgerufen am 1. November 2026
- Thread zur Notification-Serie (v5, 42 Patches, nested match expressions)
- Thread zur Guest-ID-Serie (v8, 22 Patches)
- Thread zur Microsegmentation-Serie (v3, 45 Patches)
- Thread zu den Hotplug-Tests und Bugfixes (v4, 9 Patches)
- Thread zum ifupdown2-Bond-MAC-Inheritance-Fix #8130
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